Moynaq. Letzter Sonntag in Uzbekistan



Moynaq Tag 2. Die Zeit läuft aus in Uzbekistan. Die letzte Woche beginnt. Sonntagmorgen in Moynaq. Sonntag in der Provinz.Taschkent ist weit.

Es gibt keine weiteren Gäste im Hostel, wie es wohl z.Zt. auch keine weiteren westl.Touristen gibt. 

Es ist Markttag auf dem kleinen staubigen Platz der eine Art Ortszentrum bildet. Das Angebot ist begrenzt. Es sind die Erzeugnisse der Bauern der Umgebung, Milch wird in gebrauchten Colaflaschen verkauft. 

Überfluss und Luxus ist nicht zu sehen, die Kleinbauern bieten ihre Ernte feil, es wird das angeboten, was zum Leben gebraucht wird. Die nächste große Stadt ist Kungrad und fast 100km entfernt.

Touristen laufen unter dem Radar durch.

Ausser 10 rostigen Schiffen auf dem Grund eines ausgetrockneten Sees und einem kleinen Museum hat Moynaq nichts für Touristen zu bieten. Das sich hier eine der größten Umweltkatastrophen des 20.Jh. unverblümt beobachten läßt, ist für die verbliebenen locals von heutzutage von zweitrangiger Bedeutung.

Karakalpakstan ist eine autonome Provinz in Uzbekistan, dünn besiedelt und lange Zeit stiefmütterlich von der Zentralregierung in Tashkent sich selbst überlassen. 80min dauert es mit dem Bus in die nächstgrössere Stadt. Dazwischen liegen wenige Bushaltestellen im nirgendwo. Dörfer in denen Menschen leben, die mit wenig auskommen.

Edit: nur wenige Tage nach meiner Rückreise kommt es zu gewalttätigen Demonstrationen in Nukus, die Regierung den Autonomiestatus Karakalpakstans in Frage stellt. Es fließt Blut, es gibt Tote. Die genaue Zahl läßt sich nicht feststellen, das das Internet für Gesamt Karaklpakstan beschaltet wird und nur spärliche Informationen aus Nukus an die Öffentlichkeit. https://www.dw.com/de/viele-tote-und-verletzte-bei-autonomie-protesten-in-karakalpakstan/a-62339484

Die Weichen für den Verlust des Sees wurden schon in den 1950er Jahren gestellt, als man beschloss den beiden grossen Zuflusse des Aral Wasser für landwirtschaftliche Großprojekte, wie dem Aufbau der Baumwollproduktion zu entnehmen. Es weites Netz von Knanälen und Drainagen enstand in der Wüste. Heute kommt vom breiten Amudarja im Süden des Landes nur noch ein Bruchteil in seinen Restsee an. Leben gibt es in dem was vom Aralsee auf usbekischer Seite übrig blieb nicht mehr. 

Es erschreckt zu sehen, wie schulterzuckend diese Entwicklung in den 1960er nicht gestoppt wurde, sondern die gesamte Region mit ihren reichen Fischvorkommen, ihrer wirtschaftlichen Grundlage beraubt und direktiven Interessen der Zentralmacht geopfert wurde.

Weil politisch entschieden wurde stattdessen auf die Produktion von Baumwolle zu setzen. 

Auch heute fehlen An den Schautafeln am ehemaligen Seeufer selbstkritische Eingeständnisse, zu sehr ist Uzbekistan wirtschaftlich von der Baumwollerzeugung abhängig.

Alles publiziert, 1000fach aufgeschrieben und doch

als ich vor 2 Tagen von der Amudarja Brücke in Nukus Fotos vom Fluss machte, bekam ich sehr schnell Besuch von Uniformierten. 

No photo! Die Gesten waren eindeutig. Nirgendwo sind Verbotsschilder zu sehen, da blieb nur der Rückzug.😄












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