Sharhisabz-Qarshi 119km





Selam Alaikum aus Shahrisabz. Um 6:30h Frühstück wie immer mit Kascha, heisser Wuarst und den üblichen Eiern, liebevoll angerichtet. Das Queensize für 12€, Herz, was willste mehr?

Sharhisabz ist kein Ort für Familienurlaube. Alle Hauptstrassen des Ortes sind mindest 6spurig mit Mitteltrennung. Eine moderne funktionelle Stadt, alles drin, alles da, was man so braucht zum leben, eine riesige neue Moschee, ein Bazar, viel mehr ist auf Anhieb nicht zu entdecken; typisch für dieses Land.

Einen historischen Ortskern scheint es nicht zu geben. Die historischen Bauten, wie die Ruine des AkSaray oder der Chorsu Bazar, die mittelalterliche Marktstätte, die Mädressen lassen sich alle zusammen in einem riesigen Park umgeben von einer Mauer in der Stadtmitte finden.

Es wirkt alles eine Spur zu modern und leblos, das es künstlich wirkt, zu sauber, ja fast steril. Die wenigen Touristen, die den Park bevölkern verlieren sich in dem mehrere Fußballfeldgroßen Areal. Die usbekische Art des Tourismus läßt einen fremdeln. Lebhafter ist es wie immer am Mittag zum essen auf dem Bazar, gut 1km in südöstlicher Richtung.

Shahrisabz war eine Enttäuschung, die in bunten Touristprospekten fotogene AkSaray-Ruine entschädigt nicht für eine ansonsten untouristische, aber typisch uzbekische Stadt.

Qarshi am folgenden Tag
Heute wird es ungleich aufregender werden auf dem Weg nach Qarshi. Wieder mal ohne Netz unterwegs, d.h. die Gostinitza bei Ankunft in Qarshi steht noch nicht fest.

110 geplante Km stehen an, es wird sehr heiß werden; für den Nachmittag sind 33* angesagt. Dafür bleibt es flach und regnet nicht. Bleibt noch das Trinkproblem. Trotz ordentlich Zufuhr von 5-6l/tag brauche ich inzwischen erst nach 12h ernsthaft ein WC. Das ist zwar ausgesprochen praktisch, weil in Städten nicht gesucht werden muss, aber das spätere Nachtrinken-müssen ist anstrengend.

Zunächst geht bei noch angenehmen Temperaturen zurück auf die M39. Scharen von Schulkindern begegnen mir zu Fuß in ihren Schuluniformen auf dem Highway.

Gegen 11:00h wird es unangenehm. Durch die staubige heisse Luft trocknen die Schleimhäute schnell aus, obwohl ich regelmäßig trinke.
Den Ort Qarshi erreiche ich gegen 13:00h. Die Sonne steht jetzt im Zenit und brennt erbarmungslos auf die versteppten Felder mit ihrem spärlichen Grün.

In den Ort führt eine 4spurige Strasse je Richtung, alles wirkt gewaltig und überdimensioniert. Dabei sind relativ wenige Fahrzeuge zu sehen. So ebenfalls auf den Hauptmagistralen im Ortskern Qarshi sind 3+x Spuren; die Häuserfronten stehen bis zu 80m auseinander. Da es heute kein bestelltes Bett gibt, bleibt nichts übrig als einfach fragen.

Das Afsona bietet überraschend 18,50€ pro Mann/ Bett. Eine mit rotem Läufer verschönerte steile Treppe an einem ansonsten abstossenden Bau. Da noch Zeit besteht lockt die Suche nach einem attraktiveren Gebäude, ohne Pflicht zu Antidepressiva. 6 Herbergen werde ich im Laufe der Suche sehen. Alle 6 wirken seelenlos, künstlich errichtete Hotelgebäude ohne spür-und sichtbares Hotelleben. Als ich nach 90min wieder im Afsona erscheine hat sich der Preis seltsamerweise auf 36€ erhöht, mag man glauben oder nicht, für mein Empfinden ist es Zeit zu gehen.

Ich scheine immer der einzige Gast, der teilweise die Rezeptionen aufschreckt. Wieder gefangen, entwickeln sich dann Fantasiepreise, wo in DE jeder gefragt hätte: Ey, sachma, willste mich verarschen? Das ist doch nicht Dein ernst. 50$ die Nacht oder es ist leider mit Bedauern komplett ausgebucht.

Letztlich bekomme ich das was ich brauche für 15€ EZ+Frühstück, wifi, frigde und Charme, aber es war ein hartes Stück Arbeit an diesem Tag. Hotel Tinchlik heißt das Etablissement und liegt etwas versteckt im Norden der Stadt.

Westliche Gäste kommen hier mit Sicherheit sehr, sehr selten vorbei. Wie überall ist beim checkin die Unsicherheit meiner Gastgeber zu spüren. An diesem Tag ganz besonders. Fotos werden vom Pass angefertigt, die Einreisestempel werden mehrfach verglichen. Man spürt, daß die Gastgeber fürchten Fehler machen, Fehler die die wirtschaftliche Existens bedrohen der Familienbetriebe bedrohen könnten.
Der Druck des Staates scheint hoch zu sein. Dazu kommt das Sprachproblem, weil niemand im Hotel englisch spricht.

Aber nach 20min sind alle zufrieden. Voila manchmal gehört Glück dazu.😃

















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