Samarqand - Shahrisabz 173km








Remote villages. Nach einer Zwischenübernachtung in Samarqand heißt es heute endgültig Abschiednehmen. Der schnelle Lift des gestrigen Tages ließ zwar genug Zeit dazu, aber es gibt nicht mehr viel Neues zu entdecken. Die Straße ruft. Ab in die Berge mit meinem Frauenstadtfahrrad.

Zunächst läuft alles nach Plan. zwar hat es die ganze Nacht cats&dogs geregnet, aber bei Abfahrt gibts erstmal eine Regenpause. Gut 11km sind es bis zum Hwy durch Stadtteile, die nichts mehr mit der Herrlichkeit des Registan zu tun haben. Working class suburbs. Frisches Brot aus dutzenden dampfenden Backstuben, die Garagen ähneln mit ihren runden Tonöfen.

Am Autobahnring geschieht unbemerkt ein fataler Fehler, mit weitreichenden Folgen für den ganzen Tag. So blöd das klingt, ich biege falsch ab.

Es ist die einzige Bergtour dieser Tour. Die Passhöhe liegt bei 1500m. Schauen, was geht an diesem Tag; wenn ich es hier nicht über den Pass schaffe brauche ich Ende September nicht ins Bartang Valley starten. 30km sind es bis nach Kysylbash. Dann kommt die Wand. 29km ist die Passage lang. Ich werde schieben müssen.

Zunächst bleibt es auf der noch regennassen, 4spurigen M39 flach. Dunkle Wolken hängen am Horizont in den Bergen. Der Verkehr ist an diesem Sonntagmorgen gering.

Und dann passiert es. Als ich nach 30km auf die Karte schaue, ist das Dilemma da. Ohne es zu merken bin ich unbemerkt nach Westen gefahren ,anstatt auf die geplante Strecke nach Süden zu schwenken. Es ist nicht zu fassen, ich entferne mich immer mehr vom Pass und den dunklen Wolken, Rückenwind hat mich längst erfasst, ein euphorisierendes Fahren, aber leider ist es die falsche Richtung.

Ich hatte das M39 Schild am Autobahnring gesehen, es blieb das einzige auf der gesamten Strecke. So ein Anfängerfehler. Die Ausschilderungen in Uzbekistan sind insgesamt sparsam.

Bis zum nächsten Highwaykreuz sind es nun 80km. In 30km aber kreuzt in Dzham allerdings die Landstraße mit nur 68km Strecke nach Shahrisabz. Der zweite fatale Fehler. Im Glauben abkürzen zu können, verlasse ich den Hwy. Ohne es zu ahnen haben Strassen abseits der Autobahnen hier eine andere Bedeutung als in meiner Welt.

Es sind keine Landstrassen; in meiner Welt würden die Strassen dieser Art als Wirtschaftswege kartographiert. Es sind Schlaglöchern übersähte, seengleiche Vertiefungen, nur aus gestampftem Lehm und Kies bestehende Wege.

Es ist Lada-Land. Die Berge erst hochschieben und danach runterbremsen, um ja nicht mit voller Last in die Schlaglöcher zu geraten. Speichenbrüche würden das Ziel endgültig in Frage stellen. Namenlose Lehmhäuser Siedlungen, unbefestigte Wege, die wenigen Dörfer wirken verwaist.

Mit meinem fluchen bergauf bin ich allein. Remote Villages. Wer lebt hier? Und eine neue Herausforderung an diesem Tag taucht auf in dieser abgelegen Welt. Die scharf gemachten Hütehunde der Bauern.

Ich verfluche, daß ich kein PfefferSpray am Rad habe, aber ich konnte im Land bisher keines kaufen. Es scheint in Uzbekistan nicht erlaubt. Bergab, schlechte Wege und scharfe Hunde, Orientierungslosigkeit, dazu erbarmungslose Hitze, alter Falter, was für ein Tag. Die Strasse scheint kein Ende zu nehmen, mehr als 10km/h sind nicht drin- schieben inklusive.

Welche Zukunft haben die Bewohner der Täler hier? 7h für 70km in die Metropole. Die in den Dörfern verbliebenen Bewohner haben eine Tagesreise nach Shahrisabz zum Bazar. Der dörfliche Krämer bietet nur das allernötigtigste und billigen Alkohol. Bei einer Pause mitten im Nichts auf der Suche nach 1,5l kalter Pepsi ist die Hälfte der anwedensen Dorfbewohner stark alkoholsiert. Der Laden bietet außer Getränken aller Art sonst kaum etwas.

Um 19:00h hat der Highway39 mich wieder. Was Google verschweigt ist die Tatsache, daß kurz zuvor, 10km vor dem Host am Abend, bei Beshterak die Strassenbrücke über den Qashqadaryo zerstört und der Neubau noch nicht abgeschlossen ist.

Inzwischen ist es die 12.Stunde auf dem Rad und es gibt noch 2 Stunden Tageslicht. Der Fluss mit seinem braunen Wasser liegt vor mir, 30m breit mit Sandbänken und Furten, leichte Strömung.

Für eine Rückkehr zur nächsten, nördlicheren Highwaybrücke ist es jetzt zu spät. Für Autos ist der Wasserspiegel bereits zu hoch, sie müssen umdrehen. Für den Biker bleibt nur das durchwaten des hüfttiefen Flussbettes. In den nächsten Tagen wird bei Anstieg des Wasserspiegels durch die heutigen Regenfälle in den Bergen, das unmöglich werden.

Absatteln und am anderen Ufer wieder auftakeln und das Gepäck Stück für Stück durch die 10m breite Furt bringen. 6x hin, 6x zurück. Ein wenig Camel trophy am Abend.

Mit reichlich Verspätung erreiche Hotel Bek am Abend. Was für ein Tag. Eine heiße Dusche und die Genugtuung die Strecke trotz allem geschafft zu haben, lassen den Tag ausklingen😀







Muhammed, der mich freundlich vor seinem Haus begrüßt, natürlich gibts ein Foto







Natürlich wieder aufstellen für eine Foto













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