Leaving Karakalpakstan
Letzter Tag in Nukus.Ein letztes Mal auf die Innenstadt Richtung Bazar.
Nukus und sein Bazar ist in mancherlei Hinsicht anders als andere Städte. Im Gegenteil zu den Touristenstädten kommt der Tourist hier in der Stadt ganz unverblümt mit Armut in Kontakt. Unvermittelt stößt der Tourist auf dem Bazar auf eine Menschenmenge von 200Personen, meist Frauen, die um Reis anstehen.
Es ist von der Regierung verkaufter, verbilligter Reis, 1x/Woche und die Security hat jede Mühe in dieser lautstarken, tumultartigen Szene die Ordnung aufrecht zu erhalten. Es zeigt trotz der Fülle auf den Bazaren, es ist bei einer ganzen Reihe Familien knapp mit dem Geld.
Genauso wie die große Gruppe junger Mütter mit ihren zahlreichen Kleinkindern in schlechter Kleidung, die jeden Nachmittag auf dem Platz vor der Softeisdiele der kleinen Mall die Bazarbesucher, Einheimische genauso wie Touristen penetrant um Bargeld bittet. Sie gehören zur Minderheit der Cygane und damit zur wirtschaftlich schwächsten Gruppe des Landes. Bilder wie diese, wenn Kleinkinder vor einem die Hand ausstrecken, wirken beklemmend.
Szenen, die allzu bekannt aus osteuropäischen Touristenhotspots sind, hier in Nukus stoße ich das erste Mal auf sie. In den Touristenstädten waren sie nicht zu entdecken. Vielleicht ist der Grund das wirtschaftliche Gefälle im Norden. Die Armut wird hier sichtbarer.
Dabei ist die Arbeit auf dem Bazar für alle ein hartes Tagesgeschäft. Von früh bis nach 20:00h, den Tag in der Hitze, der Stand oft nur Bananenkartons oder nur eine Decke im Staub hockend die Milch der eigenen Kuh für wenig Umsatz, oder Zigaretten einzelstückweise verkaufend.😀Leaving Karakalpakstan.
In 1Stunde wird mich der Zug in 16h zurück nach Tashkent bringen. Nachdem sich nun doch einige Mitbringsel angesammelt haben, ist der dämliche chinesische Rucksack kaum noch zu tragen, zumal der entscheidende Beckengurt für bauchlose Asiaten berechnet ist und nicht für Mitteleuropäer mit Bauch.2 Passkontrollen und 1 Durchleuchtung später läßt sich in der Kühle der Bahnhofshalle die Anreise meiner Mitreisenden beobachten. Mit Kind und Kegel und vorallem ohne Ende Gepäck geht es auf Tour. Der Zug ist seit Tagen ausverkauft. Keine Chance kurzfristig einen Platz zu ergattern.
16h Bahnfahrt für knapp 17€ in alten DDR Waggons aus Görlitz ausgestattet mit Instant food für den Samovar und viel Tee, das ist was für Bahnliebhaber.
Der Waggontyp ist immer der gleiche, das Original made in GDR, egal, wo man ihn im Osten besteigt. Zeitlose unkomplizierte Technik, mit Kohleofen ohne Schnickschnack. Uzbekistan Air, insgesamt 4x so teuer, schafft die Strecke täglich in 2h.

Kommentare