Abschied aus der Wüste













18Stunden im 4er Abteil. Bevor alle in Bewegung geraten rechtzeitig vom Gegner lösen und ja nicht in das Gedränge vor der Tür geraten.

Aber der Bahnsteig füllt sich so rasant und die Wagenreihung ist auch noch falsch herum. Ich stehe vor Wagen 22, Wagen 5, ist der letzte der Zuges. Das ist meiner. Die Information der Frau am Infotresen war ein fake.

Kommt in Hamburg beim ICE einem GAU nahe, hier aber hat sowieso jeder seine Liege und der Ticketabgleich an der einzig geöffneten Tür des Waggons entschleunigt gewaltig.
Wieder sind alle Schaffner vor ihren Wagen in Uniform angetreten
Der Schaffner freut sich als er meinen Pass entdeckt und gestattet sich einige Brocken deutsch zur Freude der Mitreisenden Germaniy, bitte, danke sehr, auf wiedersehn...

Ich habe entgegen meiner Überzeugung Platskartny zu fahren ein Upgrade genommen, ein Bett im 4er Abteil, die Heimreise ist noch lang genug.

Es gibt nun Bettlampen, die Pritsche ist breiter und der Salon hat Teppich. Ansonsten ist alles unverändert.
Der rote Kunstlederbezug, die eingetütete Bettwäsche mit dem Gesichtstuch, die nicht funktionierende Klimaanlage.
Als der Waggontyp konzepiert wurde gab es noch keine Mikroprozessor gesteuerten Klimaanlagen wie im heutigen ICE4.
Es entwickelt sich bis Sonnenuntergang eine respektable Salarium Atmosphäre, allen steht der Schweiß im Gesicht, das Bettlaken ist nach kurzer Zeit klamm.

Mein extra vorher erledigter Tütensuppen Einkauf erweisst sich jetzt bei UzbekRail als unnötig, ein Speisewagen ist auch an diesem Zug angekoppelt Alle 30min spätestens erscheint Mitropa Personal in unserem Waggon mit gekühlten Getränken in Plastikkörben zu moderaten Preisen.
Lautstark lamentierend kommt sie den Gang herauf schüttet resolut den restlichen Tee auf den Fussboden und trinkt mit meinen Mitreisenden wild gestikulierend die gerade gelieferte Cola leer.
Herrlich. Kein Zweifel, die Frau hat Spaß an ihrem Beruf. Zwei Worte auf deutsch, ein tiefes lautes Lachen und verschwindet wieder lautstark in Richtung Mitropabasis.

Das lebhafte Personal unterscheidet UzbekRail dann doch von der RжD, genauso wie die angehängten Speisewagen.
Auf dem Weg dorthin erlaubt der Koch ein Blick in seine Küche.
Für meine Kollegen am Ende des Zuges gibt es Plov am Platz, handgemacht.

Um 20:30h geht die Sonne unter, alles ist irgendwie feucht, es wird nicht kühler. Der dritte Gast praktiziert nun seinen Glauben, holt den Gebetsteppich aus der Reisetasche, setzt Kippa auf und verschwindet in den Eingangsbereich.
Er ist Starkstromelektriker mit Bauprojekten in der Wüste.
Stolz zeigt er mir seine gesamte Familie auf Fotos.

Es wird wieder klar, auf Reisen dieser Art braucht es ein Fotoalbum von Wohnort, seiner Umgebung, dem Job und seinen Liebsten, auch wenn man sich nicht versteht, sonst steht man mit leeren Händen da. Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte.

Mit Koje Nr.4 wird es spannend. Denn um 23:00h steigt in Bukhara zunächt ein Sambo Trainer zu, ein Kerl wie ein Baum mit riesigen Händen. Stolz zeigt er mir Fotos von seinen Wettkämpfen.
Eine Einladung zum Essen muß ich mehrfach energisch ablehnen.
Da die Usbeken das O wie A aussprechen, verstehe ich anfangs immer Samba Trainer.
Nee, Junge wie ein Samba Trainer sieht Du nicht aus, ich weiss ja nicht.
Um 23:50h geht endlich das Licht aus, da sind es immer noch 6:15h reine Fahrzeit bis Tashkent. Um 5:00h ist wecken, damit der Schaffner noch rechtzeitig die Wäsche einsammeln kann.

Aber es gibt trotz Earplugs immer noch lange keine Ruhe.
Um 0:30h geht das Licht wieder an, Sambo ist spurlos verschwunden, 3 Offizielle stehen mit einem neuen Gast laut redend in der Tür und Untersuchen zum x-male Sambos Koje. Alles wirkt alles ein wenig konfus bis unruhig.
Sambo bleibt die Nacht verschwunden. Und ich dachte wirklich, jede hätte seine eigene Koje. Möglicherweise war der Zug doch überbucht.

Es dauert bis nach 1:00h bis die Untersuchung ergebnislos eingestellt wird, alles sich beruhigt und die Tür ins Schloss fällt.
Es wird eine kurze Nacht. Wie erwartet 1h vor Ankunft gegen 5:00h erfolgt das Wecken und der Schaffner trommelt seine Bettwäsche zusammen.

Die Leute stürmen die Sanitärräume und beginnen sich strassenfein umzuziehen.
Pünktlich gegen 6:05h erreicht der Zug Tashkent Süd.
Es ist eine unemotionale Ankunft aus der Wüste zurück in die Zivilisation. Übermüdet steige ich aus dem Zug die Menschen hasten zum Busbahnhof gegenüber.
Hätte ich doch Platzkartniy gewählt, der Schlaf wäre sicher früher gekommen.

Melancholie befällt mich als ich mit dem Stadtbus durch die leeren Straßen Taschkents zum Hostel fahre. Die Stadt schläft noch wie zu Beginn meiner Reise vor 38 Tagen.
Die Reise ist vorbei; in 16h Stunden verlasse ich die Stadt erneut und kehre zurück in meine Welt.
Übervoll mit Erlebnissen und Erfahrungen kann ich nun nach Hause gehen und freue mich auf Sweetie in Lübeck.😀







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