Bukhara-Khiva natürlich mit Плацкартный

Доброе утро, dobry Utra. Auf dem Weg nach Khiva. Mit UzbekRail. Im 54er Liegewagen. Genannt Platzkartny, oder die legendäre Art im Osten zu reisen.

3:45h war ausgemacht, er würde vor der Tür warten, aber Ilhan, Torhils Sohn und mein Fahrer ist in der Dunkelheit nicht zu sehen. Wo bleibt der Schlingel? Die Zeit drängt. Noch 37min bis Abfahrt.

Ich rufe laut in die Dunkelheit des Haupthauses, nun ist immerhin die Babuschka wach und telefoniert nach ihm. Auf die Frage wann fährt dein Zug, Mister?beschleunigt Ilhan wortlos auf 87km/h und wir fegen über den jetzt leeren 6spurigen Blvd im Morgengrauen, überfahren 3 rote Ampeln und stehen um 4:11h 17km entfernt vor Vokzal Bukhara1 in Kogon.
Hätte uns nur 1 der häufig zu sehenden eine Polizeikontrollen gestoppt - der Zug wäre weggewesen.

Über den riesigen Vorplatz gesprintet, 3 Ticket -und Passkontrollen erduldet und eine Komplettdurchleuchtung später, der letzte 100m Sprint zu Waggon 13. 19 Waggons plus eine ELok führt der Zug. Warum müssen solche Züge auch grundsätzlich so lang sein.

Alle Schaffner sind vor ihren Wagen angetreten. Ein stummes nicken, erneute Ticketkontrolle im Schein der Taschenlampe und der Wink weist in die Dunkelheit des Waggoninnern. Der Wagen ist ausverkauft. Bett 2 ist das Oberbett, das letzte freie Bett in Waggon.
Später, auf dem Weg zum Restoran Waggony, Wagen 19, werde ich sehen, daß alle hinteren Platzkartny vollständig belegt sind. Dazu dutzende Kleinkinder und Babies, Babuschkas, GrossTV, Kinderwagen, Unmengen Gepäckstücke etc, alles was halt in einen 40Jahre alten Waggon hineinpasst.

Es gibt die obligatorische Tüte mit dem Bettzeug und dem Gesichtslappen für den nächsten Morgen, alle Bahnen im Osten haben diesen Modus.
Dazu gehört auch, daß die Passagiere die Wäsche dem Konduktor später persönlich zurückgeben.

In der Dunkelheit in das obere Etagenbett mit seinem Standartmaß50x170cm zu kraxeln und es sich danach bequem zu machen ist nichts für Unsportliche. Immerhin man kann nicht herausfallen. Ohrstöpsel, Nachtbrille, noch bevor alles sitzt ruckelt der Zug fast unbemerkt sanft an. Es dauert nicht lange und das gleichmäßige schaukeln des Zuges bringt den unterbrochenen Schlaf zurück.

Wenn das Leben im Waggon bei Sonnaufgang erwacht kommen beim ersten Halt die Heerscharen von Händlern, die den Zug mit Allemmöglichen durchkämmen. Alle paar Minuten erscheint jemand Neues im Gang und hat Kleider, Elektronikzubehör, Essbares oder Getränke unter dem Arm.

Am Rande erwähnt, es gibt sie auch, die 2er Compartmentwagen, aber das ist was für western snobs.
Kurz vor Ankunft wird der Waggon bereits durch die Schaffner gereinigt die Überdecken werden gerichtet, die Mülleimer geleert. Danach, daß ist neu, wird Wagen 13 vom Zugführer aufmerksam abgenommen, die beiden Schaffner sind in Uniform angetreten und beoachten das ausfüllen der Strichliste.
Keine Beanstandungen für Waggon 13, alles ok, einsatzbereit für die Rückfahrt in ein paar Stunden.

Erste Eindrücke in Khiva zeigen neben einem überdimensioniert wirkenden Endbahnhof eine seltsam verlassene Stadt und viel zu viele Polizisten.
Kaum Autos sind zu sehen.
Der Staatspräsident kommt heute zusammen mit dem Präsidenten von Tajikistan. Staatsbesuch also. Man schubst mich hier und da ein wenig; ...bleiben sie nicht stehen, gehen weiter....Zu sehen ist freilig nichts, der Präsident kommt erst in 3 Stunden. Seine Bewachung steht derweil seit Stunden im Zenit der heißen Sonne.

Auf diese Weise gelange ich in die UNESCO Altstadt. Hier das gleiche Bild. Keine Besucher, aber alle 10m, praktisch hinter jeder Ecke der Sekret Service. Ausschließlich Männer, 35-50 Jahre alt, Tschirt, lange Hose, feste Schuhe, kleines schwarzes Kunstleder Herrentäschchen am Handgelenk. Diesmal keine Schlappen. Einige von Ihnen mit Knopf im Ohr, haben an Musikinstrumente erinnernde Rucksäcke vor der Brust, in denen leicht zu erraten die Kalashnikov steckt, tragen schlecht sitzende Anzüge und wirken angespannt.

Zwar ist kaum jemand zu sehen, vom Präsidenten ohnehin keine Spur, aber man spürt ihre Anspannung. Immerhin, einen riesen Vorteil hat der Besuch des Präsi, kein Tourist in der Altstadt ruiniert an diesem Tag das Foto.

Ich kann es nicht lassen, einen erkennbar höheren Polizeioffizier, der mich in einglisch anspricht zu fragen, ob es nicht besser wäre, wenn der Präsident ein wenig von der Bevölkerung bejubelt würde?

Als ich später die Altstadt verlasse, wird das ganze Ausmaß sichtbar. Entlang der 4spurigen Fahrtroute in Richtung des 3km entfernten Bazar stehen überall Mitarbeiter der Sicherheitsorgane, der Eingang zum Bazar selbst ist mit Stellwänden verdeckt. Der Bazar selbst ist verwaist.

Sollte Hr. Rahmon etwa den Bazar nicht sehen? Der Bruder des Hosts wird am Abend sagen, die Strasse zwischen Urganch, dem 30km entfernten Airport und Khiva sei alle 50m mit Mitarbeitern flankiert gewesen.

Irgendwann gegen 16:00h verläßt eine Armada schwarzer Limousinen mit getönten Scheiben in Höchstgeschwindigkeit die Stadt. auch jetzt werde ich gebeten nicht stehen zu bleiben. Es wirkt absurd. Danach normalisiert sich das Leben.

Ich entdecke den publicviewing Bildschirm am Bazar. 2 ältere Männer sind zu sehen, das Volk selbst sollte Ihnen heute nicht zu nahe sein. Klatschen an der Strasse war nicht geplant. Es erinnert mich seltsam an etwas, dass lange her ist.😃









Die Karawanserei am Riesenrad, gegenüber der Altstadt, Hotel für 4 Tage.








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