Khiva, das Sahnehäuptchen


Assalamou Alaikum aus Khiva. Khiva oder auch Xiva, die kleinste der 3 historischen Städte in Uzbekistan ist das Sahnehäuptchen islamischer Baukultur. Eine von einer 2km langen geschlossenen Stadtmauer umrundete, vollständig restaurierte Altstadt wirkt als Touristenmagnet. Sie hat einen UNESCO world heritage list Eintrag seit 1969.

Eine unglaubliche Ansammlung aufwendig herausgeputzter Mädressen, Paläste und Moscheen. Während gestern zum Staatsbesuch viele Marktstände verschwunden waren wirkt an diesem Morgen alles viel bunter und farbenfroh. 
An allen Ecken gibt es viel Handarbeit oder wenigstens gute Imitate zu bewundern.

Eines allerdings beschleicht den Besucher nach gewisser Zeit trotz der Musik, der Stände, der vielen Touristen, der Cafes inmitten der Bäume - es ist alles nicht echt.

Es ist Disneyland. Genauso wie die Photodarsteller in ihren orientalischen Kostümen. Es fehlt das wahre Leben, die Häuser in denen die Normalos wohnen, dass in Bukhara keine 50m hinter Mir Arab ansässig zu entdecken war. 

Die tobenden Kinder, die primitiven, improvisierten Supermärkte, die windschiefen Lehmbauten. Alles hier in Ichan Qala ist Hochglanz für die smartfons der Touristen, aber normales Leben fehlt. Mit einem Wort, es ist zu sauber, es ist steril.

Damals in Lisijang, in China war es genauso. Die perfekte Postkartenidylle einer chinesischen Stadt, aber nix war echt. Ausser McDonalds.

Na klar, 99,5% aller Touristen wollen das genau so. Die Realität sieht anders aus, der Unterschied zu den historische Bauten Bukharas ist hier, daß dort der echte Putz bröckelt und die bedrohlichen Risse echt sind.

Nach einigen Stunden verlasse ich Disneyland und mache mich auf die Suche nach den Einwohnern. Lange suchen suchen muß man indes nicht; keine 100m neben der hohen Mauer von einer weiteren 2,50m hohen Blechmauer als Sichtschutz getrennt liegen die Viertel der Bewohner. 

Einige Viertel sind bereits abgetragen, Geblieben hinter der Blechwand sind nur Ruinen und Steinhaufen als Erinnerung an die ursprünglichen Straßenzüge. 
Khiva schafft Platz für eine neue Welt vom modernen Bahnhof über künstlich angelegte Parks direkt in durch das Osttor in die Altstadt. 

Das andere Khiva. Sorgsam verdeckt; dem Touristen soll die normale Welt verborgen bleiben.
Dabei sind mindestens 50% der Touristen in der Altstadt aus den Stans. Schmutz liegt hier in ausgefahrenen Lehmwegen, es ist staubig, Kinder spielen auf der Strasse. Kein Tourist verirrt sich mit seiner Kamera hierher.

Khiva ist wie keine andere Stadt bisher vom Tourismus abhängig. Wer nichte verkauft in der Altstadt, Hotel oder Restaurant betreibt, für den bleibt nicht viel außer dem grossen Bazar. Aber das ist eine andere Story😄























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